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Lagerung von Organen und Geweben nach der Entnahme

Die Lagerung von Organen und Geweben nach ihrer Explantation ist ein zentrales Element der Transplantationsmedizin. Ziel ist es, die Funktionsfähigkeit der entnommenen biologischen Materialien so lange wie möglich zu erhalten, bis sie zum Organtransport gebraucht werden. Danach werden sie beim Empfänger implantiert. Da Zellen ohne Blutversorgung rasch absterben, sind gezielte Konservierungsmethoden benötigt.

Die Zeitspanne, in der ein Organ oder Gewebe ohne Blutversorgung lebensfähig bleibt, wird als Ischämietoleranz bezeichnet. Diese ist unterschiedlich je nach Organ und bestimmt , welche Lagerungsmethoden angewendet werden können.


Grundlagen: Warum ist Lagerung notwendig?

Nach dem Tod eines Spenders werden die entnommenen Organe nicht mehr durch den körpereigenen Blutkreislauf mit Sauerstoff und Nährstoffen versorgt. Ohne Gegenmaßnahmen beginnen die Zellen innerhalb weniger Minuten bis Stunden abzusterben – ein Prozess, der als Ischämiezeit| bezeichnet wird.

Dabei unterscheidet man zwei Phasen:

  • Warme Ischämie: Zeit vom Herzstillstand des Spenders bis zur Kühlung des Organs.
  • Kalte Ischämie: Zeit von der Kühlung des Organs bis zur Wiederherstellung der Blutversorgung beim Empfänger.

Jede Lagerungsmethode zielt darauf ab, den Stoffwechsel zu verlangsamen und damit den Ischämieschaden zu minimieren. Dabei werden verschiedene Methoden der Organkonservierung verwendet.


Übersicht: Lagerungszeiten und -methoden

Organ / Gewebe Ischämietoleranz (kalt) Max. Lagerungszeit
Herz ~4 Stunden 4–6 Stunden
Lunge ~4–6 Stunden 4–8 Stunden
Leber 12–18 Stunden 12–24 Stunden
Niere 24–36 Stunden 24–36 Stunden
Pankreas ~12 Stunden 12–20 Stunden
Dünndarm ~6 Stunden 6–12 Stunden
Kornea mehrere Tage 5–7 Tage
Knochen bis 5 Jahre bis 5 Jahre
Haut bis 5 Jahre bis 5 Jahre
Herzklappen bis 10 Jahre bis 10 Jahre

Tabelle 1: Richtwerte, Stand 2024


Organe und Gewebe, die (noch) nicht gelagert werden können

Nicht alle Organe und Gewebe lassen sich sicher konservieren. Dies liegt an ihrer biologischen Empfindlichkeit oder an technischen Grenzen aktueller Methoden. Für weitere Informationen: Unkonservierbare Organe

Quellen und weiterführende Literatur

  • Deutsche Stiftung Organtransplantation (DSO): https://www.dso.de
  • Transplantationsgesetz (TPG) in der aktuellen Fassung
  • Bundesärztekammer: Richtlinien zur Organtransplantation gemäß § 16 TPG
  • Guibert EE et al. (2011): Organ Preservation: Current Concepts and New Strategies. Transfusion Medicine and Hemotherapy.

lagerung_organen_geweben.1774532122.txt.gz · Zuletzt geändert: von Julian Rüth